S 02/09: Psychische Prädiktoren

Einfluss psychologischer Faktoren auf das Ergebnis von Patienten nach Implantation einer Knie-Totalendoprothese - lassen sich psychische Prädiktoren für ein schlechteres Ergebnis finden?

Dr. med. Michael Hirschmann, Kantonsspital Bruderholz, Orthopädie und Traumatologie

Bei Patienten mit den Alltag einschränkender Arthrose des Kniegelenkes stellt die Implantation einer Knietotalprothese die Therapie der Wahl mit in hohem Masse überzeugenden klinischen und radiologischen Ergebnissen dar. Trotzdem existiert immer noch eine hohe Rate an Patienten (13-30%) die postoperativ mit den Resultaten nicht zufrieden sind. Erstaunlicherweise ist bei diesen Patienten nach objektiven Kriterien (Implantat Positionierung, Restoration der Gelenklinie, exakt rekonstruierte mechanische Achse und adäquate Weichteil-Balancierung) oft ein gutes Ergebnis zu konstatieren. Dieser Widerspruch ist bis heute ungelöst.
Mit unserer Studie soll überprüft werden, inwieweit verschiedene psychische Faktoren wie Persönlichkeitsprofil, Selbstwirksamkeitseinschätzung, Depression oder Angststörung das objektive und subjektive Ergebnis nach Implantation einer Knietotalprothese beeinflussen. Existiert eine Korrelation von subjektivem Ergebniskriterien wie Schmerz und Zufriedenheit zu dem präoperativ erfassten psychischen Einflussfaktoren?
Alle Patienten (n=100), die der Studienteilnahme zustimmen, werden präoperativ am Eintrittstag gebeten, verschiedene Selbstevaluationsbögen (Becks Depressions Inventar in deutscher Version, Fragebogen zur Erhebung von Kontrollüberzeugungen zu Krankheit und Gesundheit-KKG, State Trait Angstinventar, Symptom-Checkliste von L.R. Derogatis- Deutsche Version) auszufüllen. Diese erfassen neben einer möglichen Depression, Angstempfindungen und Überzeugungen der Patienten, was diese selbst für eine gute Heilung ihres Kniegelenkes leisten können.
Das objektive Ergebnis wird anhand von standardisierten Erfassungsbögen wie z.B. einer Visuellen Analog Skala für Schmerz, Angst und Zufriedenheit, den Knee Society Score und den WOMAC bewertet werden. Zur radiologischen Nachkontrolle werden wie in unserem Hause üblich 6 Monate postoperativ eine Ganzbeinaufnahme, eine belastete Röntgenaufnahme des Knies in anterior-posteriorer Richtung und seitlich durchgeführt.
Zusammenfassend soll die von uns durchgeführte Studie Auskunft über mögliche psychologische Faktoren geben, die das Ergebnis nach Knietotalprothese zu beeinflussen vermögen. Sollten Faktoren gefunden werden, könnte in einem zweiten Schritt an einer präoperativen Behandlung und Verbesserung des psychologischen Status gearbeitet werden.
Aktuell befinden wir uns nach Abschluss des Einschlusses der Patienten in der Phase der Datensichtung und Datenanalyse. Zudem werden die Patienten zur abschliessenden Nachkontrolle eingeladen. Das Projekt wird bis Ende 2011 abgeschlossen sein.